Dienstag, 27. April 2010

Unit-Aktivitaeten

"Musikstunde"

Vor drei Wochen hatte ich meine erste "Musikstunde". Nachdem im vergangenen Jahr die Kinder eine Stunde mit dem Musiktherapeuten verbringen konnten und sehr viel Spass daran hatten, wollten wir gerne eine solche Art von Arbeit mit den Kinern fortsetzen. Da CLaSH von meiner Entsendeorganisation Geld zur Verfuegung gestellt bekommen hat, war es uns moeglich ein Becken und eine Trommel zu kaufen. Die Uebungen sollen dazu dienen, die Kinder zu sensibilisieren Klaenge in ihrer Umgebung und in ihrem alltaeglichen Leben mehr wahrzunehmen und zu fuehlen.

Die meisten Kinder unserer Gruppe sind gehoerlos; sie sind nicht in der Lage gesprochene Sprache zu hoeren und zu verstehen. Viele von ihnen registrieren nicht einmal, wenn direkt neben ihren Ohren geklatscht wird oder ein Besen umfaellt. Ein Maedchen unserer Gruppe hingegen ist sehr stark Schwerhoerig aber nicht gehoerlos. Sie kann nicht verstehen was wir sprechen und selber sprechen tut sie auch nicht, aber ab und an faengt sie an Melodien zu summen. Wenn ich laut ihren Namen neben ihr rufe, so dreht sie manchmal den Kopf zu mir. Das Hoervermoegen der Kinder ist also sehr unterschiedlich. Einige koennen nur ganz bestimmte Sequenzen wahrnehmen, wie zum Beispiel ein Flugzeug das am Himmel fliegt.

Fuer viele Gehoerlose ist es nicht moeglich Musik und Klaenge zu hoeren, aber sie koennen sie sehr gut fuehlen. Der Koerper ist sehr viel sensibler die Schwingungen und Vibrationen zu spueren, als hoerende Menschen oft dazu in Lage sind.

Nach den Ferien (die Unit ist den Mai ueber geschlossen, so wie die staatlichen Schulen auch, und ich arbeite die Zeit ueber nur im Buero) werde ich beginnen jeden Dienstag mit der Haelfte der Gruppe eine Stunde lang Uebungen zu machen. Wir mieten extra einen Raum in der "Theatre School", denn dort gibt es einen Holzfussboden!


Mit diesem Klangholz koennen die Kinder die Vibrationen gut in ihren Fusssohlen aufnehmen. Ich lasse die Kinder auf dem Holzboden liegen, denn Holz leitet die Schwingungen gut weiter. Die nackten Fuesse legen die Kinder an das Instrument an, um die Schwingungen innerhalb des Klangkoerpers zu fuehlen. Je nachdem wie sehr sich die Kinder auf die Uebung einlassen und darauf konzentrieren, koennen sie die Schwingungen unterschiedlich weit in den Koerper hinein fuehlen. Einige fuehlen die Vibration nur in den Fuessen, waehrend andere sie bis in den Bauch spueren koennen. Besonders schoen ist es zu sehen, wenn Kinder die vollkommen gehoerlos sind anfangen im Rhytmus mit den Haenden auf dem Boden zu tippen oder anfangen mit dem Kopf zu nicken.

Ich fuehle die Vibration leider nur in den Fusssohlen, mein Koerper ist wohl nicht sensibel genug... vielleicht aendert sich das ja waehrend meiner Uebungen mit den Kindern noch. Oft mals liegt der Grund fuer die "Abstumpfung" des Koerpers hoerender Menschen darin, dass zu viele akustische Eindruecke auf uns einwirken, so dass wir uns auf das Fuehlen gar nicht mehr konzentrieren. Wir hoeren den Klang bereits sehr viel schneller als der Koerper ihn wahrnehmen kann.


Um die Uebungen fuer die Kinder moeglichst interessant zu gestalten lasse ich die Kinder einzelnd die Instrumente spielen, so koennen sie die gleichen Dinge tun, wie ich. Hier seht ihr Aina, die das Becken anschlaegt. Die anderen Kinder halten ihre Fingerkuppen unterhalb des Randes, denn dort ist die Schwingung des Beckens am besten zu spueren.


Auch auf der Trommel kann man Klaenge spueren, allerdings faellt es den Kindern sehr schwer im gleichen Rhytmus zu trommel.


Der Spiegel im Hintergrund ist eine grosse Herausforderung. Die Kinder sind es nicht gewohnt ihr Spiegelbild zu betrachten und wenn dann erst recht nicht den ganzen Koerper. Schnell wurde bei der ersten Stunde klar, dass es fuer die Kleinen noch viel Interessanter ist sich selbst im Spiegel zu erkunden und Bloedsinn zu machen, als sich auf Klaenge zu konzentrieren und auch noch die Augen schliessen zu muessen ;-)
Ich hoffe mit der Zeit werden sie sich daran gewoehnen, ansonsten baue ich den Spiegel demnaechst mit ein!...


Osterbasteln

Fuer die meisten Kinder in Namibia besteht Ostern daraus in die Kirche zu gehen! Sie kennen Osterhasen, Osternester mit bunten Schokoladeneiern und Wattekuecken aus den Schaufenstern und aus dem Fernsehen. Darum sind diese Dinge mittlerweile auch schon ein Teil ihrer "Ostertradition" geworden. Nach einigem hin und her ueberlegen und nach so mancher Diskussion mit den Erzieherinnen im Kindergarten und meiner Chefin haben wir dann beschlossen, dass wir im Kindergarten auch Osterbasteln machen werden. Ich wollte den Kindern nicht so gerne meine Ostertradition "aufzwingen", wenn ihnen die Dinge nicht vertraut sind und sie keinen Zusammenhang darin verstehen. Die sprechende Erzieherin hat mir erklaert, dass viele hier in Namibia auch Eiersuchen mit ihren Kindern machen. Dies gehoert aber mehr zu den Traditionen der Coloured-Familien, der Afrikaaner und der Deutschen. In der "Unterrichtsstunde", die wir jeden Morgen von 11 Uhr bis 12 Uhr abhalten und manchmal auch nachmittags, habe ich den Kindern versucht zu erklaeren weshalb wir diese Hasen und Eier basteln.

Ich wollte gerne, dass die Kinder ueber Ostern was mit nach Hause nehmen koennen. Sie sollten auch Osternester bekommen, so wie die Kinder aus den Kindergartengruppen des SOS Kinderdorfes. Die Eltern sollen sehen was ihre Kinder in der Gruppe machen! Sie werden zu Hause oft nicht mit in das Geschehen einbezogen, denn vielen Eltern ist es zu schwer ihren eigenen Kindern zu erklaeren wie sie etwas tun sollen. Bis sie versucht haben sich verstaendlich zu machen, machen sie lieber alles selbst. Dies fuehrt zu einer grossen Abhaengigkeit der Kinder, denn sie sind es gewohnt, dass ihnen alles abgenommen wird. Es fuehrt aber auch dazu, dass die Eltern ihren Kindern nichts zu trauen und gar nicht wissen zu was sie alles in der Lage sind. Nun konnten die Kinder ihren Eltern mal zeigen, was sie alles selber gebastelt und bamalt haben.


Da wir eine Woche zuvor Haende bemalen gemacht hatten, um die Handabdruecke auf ein grossen Plakat zu drucken, war Haende bemalen auch dieses Mal wieder ein grosses Thema.

In ein richtiges Osternest gehoeren natuerlich auch gefaerbte hartgekochte Eier. Eier auszupusten und zu bamalen war zu riskant. Manche der Eier mussten leider dran glauben, denn sie wurden statt bemalt zu werden aneinander gehauen. So wie beim "Eierkampf". Andere Kinder schienen grossen Hunger zu haben (trotz vorherigem Mittagessen), denn sie puhlten die Eier auf und assen sie.


Wichtig sind natuerlich auch die Hasen, die wir aus leeren Toilettenpapierrollen bastelten.



Hier bemalt Sakeus die Fuesse.


Die fertigen Hasen.


Aus Papier haben wir dann noch kleine Koerbe gefaltet. Sehr schwer fuer die Kinder. Zur Freude aller haben sie auch noch Schokoladeneier bekommen.

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