Dienstag, 9. März 2010

Zwischenseminar

Vom 7.12 - 10.12.2009 hatten wir dann unser Zwischenseminar. Das erste Mal trafen alle Weltwaertsfreiwilligen unserer Entsendeorganisation und einige Freiwillige von anderen Organisationen aufeinander. Insgesamt waren wir fast 40 Freiwillige. A bunch of people, wie man hier sagen wuerde!



Am Montag wurden wir alle vom Bus abgeholt und ca. eine halbe Stunde ausserhalb Windhoeks zum sogenannten Harmonycenter gefahren. Von "Harmony" war dort leider aber nichts zu merken... Die ganze Woche war sehr strikt durchgeplant und insgesamt eher stressig...

Alle sollten in der Woche vor dem Seminar eine Praesentation zu ihrer Partnerorganisation und ihrem Einsatzplatz vorbereiten. Ausserdem hatte jeder die Aufgabe erteilt bekommen ein speziellen Thema vorzubereiten und dies dann als "Fachmann/frau" der Gruppe zu praesentieren.
So war ich also die Woche vor dem Seminar bereits sehr gut ausgelastet gewesen, zusaetzlich zu meinem normalen Arbeitspensum.

Ich hatte mich auf das Thema "Namibia nach den Wahlen" vorbereitet und war unter anderem zu einem Vortrag von einem Professor aus Suedafrika gegangen. Er interpretierte die allgemeine Stimmung im Land und die bisherigen Geschehnisse. Ausserdem stellte er Prognosen auf, wie die Wahlen ausgehen wuerden und verglich die Wahlen Namibias mit Wahlen in anderen afrikanischen Laendern. Ein sehr interessanter Mann, aber sehr schwierig dem ganzen Vortrag auf Englisch zu folgen.

Ausserdem war es Zeit meinen ersten Zwischenbericht zu verfassen, der nach Deutschland geschickt werden musste.... also sehr viel zu tun!

Am 1. Tag wurden dann von allen Freiwilligen die Praesentationen zu den Einsatzplaetzen und Organisationen gehoert. Stundenlanges sitzen und konzentrieren ermuedete die gesamte Gruppe sehr. Der Raum den wir gestellt bekommen hatten war sehr dunkel und hatte kaum Fenster. So war so mancher damit beschaeftigt sich wach zu halten:-D



Nach dem Abendessen stellte dann die erste Gruppe ihr Thema vor. Dies viel sehr aus der Reihe, denn es ging um "weltwaerts gehen". Wir teilen uns in Gruppen zu bestimmten Themen auf und sollten uns darueber unterhalten wie es uns damit geht. Themen: Ueberraschung:Namibia/mein Projekt/ die Wohnsituation etc. hab ich mir ganz anders vorgestellt, Enttaeuschung: ich bin erst drei Monate hier und habe jetzt schon keine Lust mehr weil.../in bestimmten Situationen weiss ich nicht wie ich mich verhalten soll/ich verstehe mich mit meinen Kollegen etc. nicht..., Hurra: bei mir laeuft alles wie am Schnuerrchen usw. das Thema hatten 2 Freiwillge vorgeschlagen gehabt und dann auch durchgefuerht. Die Ideen waren wirklich gut, allerdings hatten wir dafuer nur eine Stunde Zeit, was sehr kurz ist, wenn sich alle noch nicht gut kennen und man erst einmal warm miteinander werden muss. Es ist nicht immer leicht gleich ueber persoenliche Gefuehle und Erfahrungen zu sprechen wie sich bei vielen herausstellte.

Am 2. Tag kamen lauter "Experten" zu Besuch und hielten Vortraege. So waren unter anderem Experten da und haben ueber Umwelt und Wirtschaft referiert. Wir haben auch eine Art Planspiel gemacht, dass so aufgebaut war wie ein normales "Monopolyspiel". Anhand des Spiels sollten wir versuchen nachzuvollziehen wie Dorfgemeinschaften hier funktionieren.


Leider waren wir wie man hier sehen kann so viele Teilnehmer und es gab nur 2 Spiele, dass immer ungefaehr 15 Leute zusammen spielen mussten.... hinterher war uns leider immer noch nicht ganz klar worin sich die verschiedenen Arten unterscheiden.

Immer wieder wurden Vortraege von anderen Freiwilligen gehalten z.B. ueber Naturschutz in Namibia, Ressourcennutzung, Energiegewinnung oder Wasservorkommen.

Wir mussten alle Reflektionsgruppen bilden und uns regelmaessig zusammen setzen um die Vortraege und die einzelnen Einheiten zu kommentieren und zu bewerten.


Am Abend kamen dann eine Fachfrau zum Thema HIV und ein Mitarbeiter einer Organisation aus Windhoek, die sich vor allen Dingen um die Unterstuetzung von Kindern, Jugendlichen und Frauen in speziellen Situationen (physischer Gewalt, Vergewaltigungsopfer, Drogenmissbrauch, Prostitution, etc.) kuemmern.
Es ging hierbei noch einmal darum sich darueber bewusst zu werden, dass Namibia zu den Laendern mit der hoechsten Aidsrate weltweit gehoert. Nahezu jeder Dritte ist hier von HIV betroffen... wir sollten sensibilisiert werden und uns bewusst werden was das auch fuer unseren Umgang mit Menschen innerhalb unseres Projekts bedeutet. Wir besprachen auf welchen Wegen man sich infizieren kann, um sich sowohl schuetzen zu koennen, sich aber auf der anderen Seite aber auch im klaren darueber zu werden, dass man in bestimmten Situationen nicht ueberempfindlich reagieren sollte, denn dadurch koennen viele Menschen verletzt werden!

In fast jeder Einheit kam es zu Gruppenbildung und Diskussionsrunden.
Jeder Freiwillige musste im Laufe des Seminars verschiedene Aufgaben uebernehmen: Timekeeping, Aufbau- und Abbau, Energizer...


Hier sind Simon und Samuel dabei einen Energizer anzuleiten, die Gruppe soll wieder wach werden und motiviert werden danach weiter zu zuhoeren. Gut, dass wir so viele Energizer in Deutschland beim Vorbereitungsseminar gelernt hatten...

Am 3. Tag ging es dann weiter mit Vortraegen und Expertenrunden (Rassismus, Interkulturelle Kommunikation, Unterschied und Vergleich - Deutschland und Namibia) . Nachmittags sind wir nach "Crumhuk" gefahren. Dies ist eine biologische Farm in der Naehe von Windhoek. Sie haben hier unter anderem Pferde, Kuehe, Schweine und Huehner. Es wird Gemuese fuer den Eigenbedarf aber auch fuer den Verkauf angebaut. Es gibt eine kleine Fleischerei und eine Milchverarbeitung um Kaese, Butter und Quark herzustellen. (Es gibt in keinem Einkaufsladen in ganz Windhoek Quark zu kaufen, daher ist dies eine Besonderheit) Auf der Farm leben die Arbeiter wie in einer "Familie" zusammen. Auf dem Farmgelaende gibt es einen kleinen Waldorfkindergarten und ein Mal im Monat wird mit dem gesamten Personal Eurythmie gemacht. Sonntags treffen sich alle in der kleinen Kapelle. Erbaut wurde Crumhuk einst von einem Deutschen der vor vielen Jahrezehnten bereits nach Namibia auswanderte. Er hat gemeinsam mit einem Freund diese Farm aufgebaut und war Mitbegruender der Waldorfschule in Windhoek. Sie sollte urspruenglich als Schule fuer die Farmkinder dienen. Weiter ausserhalb der Farm wurde eine Farmschule erbaut, hier koennen junge Menschen zum Farmer ausgebildet werden.

"Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V." haben auch zwei Freiwillige auf diese Farm entsendet.

Am Abend konnte ein Film zum Thema Namibia - eine ehemals deutsche Kolonie angesehen werden. Oder aber man hatte endlich einen freien Abend, denn wir waren jeden Tag von morgens um 8 Uhr bis abends gegen 22 oder 23 Uhr beschaeftigt.

Am 4. Tag war dann unter anderem das Thema Politik in Namibia und somit auch mein Thema "Namibia nach den Wahlen dran". Ausserdem haben wir einen Vortrag von einer Vertreterin der GTZ ueber die Landreform in Namibia gehoert. Es wurde diskutiert ob in Namibia eine Situation wie unter Mugabe in Zimbabwe moeglich waere...

Am Ende wurden in verschiedenen Gruppen noch Bilder gemacht. Namibia ist das einzige afrikanische Land, dass sich mit einer Hand gebaerden laesst!!! (Sehr genau hin, was wir hier zeigen:-) )


Am Nachmittag ging es dann wieder zurueck nach Hause.

Insgesamt war es eine sehr intensive, anstrengende aber auch interessante Zeit. Es war gut alle anderen Freiwilligen zu sehen und zu hoeren was fuer verschiedene Projekte ueberall in Namibia verteilt sind. Trotzdem ist die Gruppe sehr sehr gross, was das Kennenlernen unter einander eher erschwert hat. Es kam wie immer schnell zu Grueppchenbildung und die unterschiedlichen Anreisedaten waren sehr in den einzelnen Gruppen spuerbar. So waren manche seit 3 Wochen da, ich seit 3 Monaten und andere bereits seit fast 5 Monaten! Durch das strikte Programm blieb leider sehr wenig Zeit sich unter einander auszutauschen und Tips zu geben, ich hoffe das ist beim naechsten Seminar im Mai mehr moeglich.

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